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Ich weiß, dass ich nichts weiß."
Sokrates, griechischer Philosoph (5. Jh. v. Chr.)
Psykrates – Die Philosophie des Psychotherapeutischen Infragestellens
Mit diesem scheinbar widersprüchlichen Satz prägte Sokrates eine der bedeutendsten Denkweisen der abendländischen Philosophie. Der griechische Philosoph, der im 5. Jahrhundert v. Chr. in Athen lebte, stellte das bis dahin selbstverständliche Wissen seiner Mitmenschen radikal infrage – nicht um zu belehren, sondern um zum Selbstdenken anzuregen.
Sokrates hinterließ keine eigenen Schriften. Was wir über ihn wissen, stammt hauptsächlich von seinen Schülern, vor allem Platon. In seinen überlieferten Dialogen wird deutlich: Sokrates verstand sich als Hebamme des Denkens. Als jemand, der durch kluge Fragen den anderen half, zu eigenen Erkenntnissen zu gelangen.
Sein berühmter Satz ist kein Ausdruck von Unwissenheit (denn im Gegenteil ist das richtige Wissen sehr hilfreich für heilsame Erkenntnis) sondern eine Haltung: Echte Weisheit beginnt mit dem Eingeständnis, dass unser Wissen begrenzt ist. Statt vorschneller Antworten suchte Sokrates nach Tiefe, Klarheit und Wahrheit und stellte damit gängige Meinungen und Autoritäten infrage. Diese Haltung macht ihn bis heute zu einer Schlüsselfigur des kritischen Denkens.
In meinem Psychologie-Studium konnte ich Fakten, Theorien und den aktuellen Wissensstand lernen. Aber es zeigte sich oft genug, dass Wissen falsch sein konnte, nur unter speziellen Voraussetzungen gültig war oder dass der aktuelle Stand der Wissenschaft von morgen ganz anders als der von gestern war. 2006 startete ich die Psychologische Wissensvermittlung Psykrates.de mit dem Anspruch, Wissen nicht nach Lehrbuch zu liefern, sondern passend auf die Anforderungen von Laien. 2009 begann ich im Rahmen meiner therapeutischen Ausbildung das sokratische Prinzip dann auch in der Psychotherapie einzusetzen. Seit 2020 unterstütze ich Kolleg:innen aus dem psychotherapeutischen, psychiatrischen and angrenzenden Bereichen, sich im Sinne von neurodivergenten Patient:innen zu vernetzen und weiterzubilden. Das Psykrates-Netzwerk hat mit Mailingliste und Discourse-Forum inzwischen mehrere tausend Fachkräfte, die sich austauschen, das Alte in Frage stellen und gemeinsam für eine diverse Welt lernen.
Warum „Ich weiß, dass ich nichts weiß" heute aktueller ist denn je
In einer Welt, in der KI halluziniert, wir von News und Fake-News überflutet werden und das Wissen ganzer Bibliotheken per Suchmaschine verfügbar ist, aber kaum Zeit zum echten Nachdenken bleibt, erinnert uns Sokrates daran, wie wichtig kritisches Hinterfragen ist.
In der heutigen Wissenschaft gilt: Jede Erkenntnis ist vorläufig. Jede Theorie kann durch neue Daten widerlegt oder verfeinert werden. Genau diese Offenheit, dieses „Nichtwissen-Wissen" im Sinne von Demut gegenüber der Komplexität der Welt, ist der Motor des Fortschritts und kann in der Psychotherapie helfen, den eigenen Weg zu finden.
Auch für die Gesellschaft wäre diese Haltung sinnvoll: In Zeiten von Fake News, Meinungsblasen und vorschnellen Urteilen braucht es mehr denn je Menschen, die bereit sind, Fragen zu stellen statt bloß Antworten zu liefern. Sokrates hinterließ keine Schriften, aber eine Methode: den Dialog. Eine Einladung, gemeinsam zu denken, zu fragen und zu zweifeln – um der Wahrheit ein Stück näherzukommen.
Mit dem Psykrates-System möchte ich dazu beitragen.